Ich konnte es nicht mehr für mich behalten

Ich hatte bis zu meinem 17. Lebensjahr so einige Freundinnen, was ich auch heute nicht als Fehler sehe oder bereue. Heute bin ich 19.
Eigentlich fing alles an, als ich 13 war. Da merkte ich, dass ich irgendwie etwas für Männer über habe, aber habe es immer unterdrückt. Ich denke, ich wollte es nicht wahr haben, dass ich mehr Fantasien von Männern als von Frauen habe.
Ich bin im Emsland groß geworden,  in einem sehr streng katholischen Ort, was mir als Konfessionslosem sowieso egal war. Aber ich hätte mich niemals getraut, meine Vorliebe für Männer dort öffentlich zu machen.
Aber im Laufe der Jahre merkte ich, dass mir beim Sex mit Frauen etwas fehlt – ich wusste nur nie so genau was. Es machte irgendwann keinen Spaß mehr.
Mit 17 zog ich von zu Hause aus, um meine Ausbildung zu absolvieren und nun wohne ich seit zwei Jahren in Osnabrück.
Hier wurde ich das erste Mal mit der Szene konfrontiert. Mein damaliger Mitbewohner war ebenfalls schwul und so verbrachte ich meine Freizeit fast nur mit Schwulen bzw. Lesben. Der beste Freund meines Mitbewohners hatte irgendetwas an sich, was ich sexy fand und was mich reizte.
Fast mein gesamter Freundeskreis meinte schon damals, vom ersten Eindruck her, dass ich schwul sei, jedoch wies ich dies immer wieder zurück.
Als “Hetero” ging ich regelmäßig mit meinen Freunden auf die OS-Gaynight und ins Szenelokal “Confusion”, mein heutiger Arbeitsplatz, wo ich mir mit meiner Leidenschaft als Barkeeper etwas dazu verdiene.
Nach einem Jahr verbrachte ich den Sommer im Emsland bei meinen Eltern um dort ein Praktikum im Rahmen meiner Ausbildung zu absolvieren.
Das war der Beginn meines Outings!
Der beste Freund meines Mitbewohners ging mir einfach nicht aus dem Kopf und ich bekam jedes Mal ein Kribbeln im Bauch wenn ich nur an ihn dachte. Diese Abenteuerlust ließ mich nicht los und so gestand ich ihm in Facebook, dass ich mehr für ihn empfinde als Freundschaft.
Zu meinem Glück war er nicht abgeneigt von mir, was ich aber schon vorher wusste. So outete ich mich bei meiner Mutter und meinem Stiefvater wie auch bei einigen Freunden und fühlte mich seit diesem Moment einfach freier. Ich konnte es nicht mehr für mich behalten.
Als ich im August wieder nach Osnabrück musste, verabredete ich mich mit ihm zu einem DVD-Abend bei mir zu Hause. Und an diesem Abend kamen wir uns näher und diese erste Erfahrung mit einem Mann zeigte mir, dass ich schwul bin, Frauen wurden für mich auf einmal Nebensache bzw. unattraktiv. Weder bei meinen Freunden noch bei meiner Familie stieß ich auf Abneigung. Ich bekam die Anerkennung, die ich mir gewünscht habe.
Als ich dann meinen ersten Sex hatte, genoss ich es und wollte von Frauen nichts mehr wissen, bin heute glücklich vergeben und froh, diesen Schritt gemacht zu haben.
Damit wurde mir klar was mich die ganzen Jahre über belastet hat: das ich gefangen war in mir selbst!
Das ist meine Geschichte meines Outings und der Beginn von besten Freundschaften die ich hiermit in Osnabrück gefunden habe, jetzt bist du an der Reihe ;)

Veröffentlicht unter Allgemein

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