Meine Coming Out Story

Ich bin fast 30 und hatte mein Coming Out mit 27.

Zurückblickend war ich schon immer ziemlich bis ganz lesbisch. Aber für die Gefühle für Frauen habe ich mich immer geschämt, auch wenn ich in irgendeiner Art und Weise kapiert habe, dass sie nicht weggehen. Aber ich wollte nicht, dass sie Teil von mir sind. Obgleich ich es mir oft gewünscht habe.

Das erste Mal war ich eine beste Freundin verliebt als ich etwa 13 war. Dann in eine weitere neue beste Freundin mit 15, ein andere mit 16. Dann wieder mit 21 in eine andere. Und nochmal mit 25. Alle waren hetero. Alle. Ich hatte Herzschmerz seit mein Herz denken kann. Doch wirklich kapiert hab ich nicht was da in mir vorging, was diese Gefühle bedeutet haben, was mit meiner Sexualität los war. Und warum ich mich immer wieder in Heten verliebt habe!

Und mir kann keiner vorwerfen ich hätte es nicht mit Typen probiert. Oft und immer und immer wieder. Ich wollte mir so sehr beweisen, dass ich einen Freund haben und halten kann und Sex und das ganze drum und dran in einer hetero Beziehung genießen kann. Big fucking fail. Ich habe einigen Männern tief das Herz gebrochen, als ich nach einigen Monaten aufgrund Ekel vor Sex und Angenervtheit nach langem Herauszögern immer Schluss machen musste. Man kann auch nur eine gewisse Zeit ständig Kopfweh und Stress vortäuschen. Es tut mir leid, Jungs, es tut mir wirklich leid. Ich stehe auf Frauen und ihr seid leider an die Falsche geraten. Ich hoffe ihr könnt mir irgendwann verzeihen.

Und dann, eines Tages auf einer endlosen Reise, habe ich in Indien eine Frau aus Australien kennengelernt. Sie war offen lesbisch und ich war fasziniert von ihr und ihrer Art mit ihrer Sexualität umzugehen. Ich habe mich verliebt, das erste Mal in eine lesbische Frau.

Einige Monate später habe ich sie in Australien besucht, ich hatte das erste Mal richtigen Sex mit einer Frau. Es war wie der Himmel auf Erden auf einmal, es hat sich so natürlich und normal angefühlt. 27 Jahre musste ich darauf warten. Danach kamen wir zusammen, ich bin bei ihr eingezogen und ich war der glücklichste Mensch auf Erden für etwa 2 ½ Jahre mit ihr.

Nach und nach habe ich es meiner Mutter und Freunden erzählt. Erstere hätte sich nicht mehr für mich freuen können, es war ihr egal, dass ich nun mit einer Frau zusammen war, sie wollte nur dass ich glücklich bin und hatte meine Freundin auch direkt als weitere Tochter in die Familie aufgenommen.

Manche meiner Freunde waren überrascht über meinen Wechsel in die Frauenwelt, manche sagten, sie wussten es schon immer und haben nur darauf gewartet. Alle haben durch die Bank weg positiv reagiert.

Bis auf meinen Vater, der zuerst meine: „Dass du mir das noch mit meinen 60 Jahren antun musst…“ Aber nach einer Weile der Funkstille kam auch er zu Sinnen und hat meine Freundin und meine Beziehung positiv akzeptiert. Er spricht nicht gern mit mir darüber, aber ich weiß, dass es für ihn ok ist und er auf mich als Tochter stolz ist, in vielerlei Hinsicht.

Bevor ich mein Coming Out hatte, hatte ich jahrelang Verdauungsbeschwerden und Probleme mit dem Essen. Zum Teil so weit, dass ich kaum noch etwas essen konnte ohne Beschwerden und Schmerzen zu haben. Nach meinem Coming Out ging es mehr und mehr weg und jetzt, über drei Jahre später, habe ich so gut wie keine Probleme mehr damit und kann wieder alles essen und es vor allem auch genießen. Vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen, dass es vielen Frauen, die noch nicht ‚out’ sind so geht oder ging. Das hat mich aufatmen lassen, es ist immer erleichternd zu hören, dass man nicht alleine ist.

Nachdem die Beziehung recht dramatisch zu Ende ging, musste ich erstmal meine eigene individuelle lesbische Identität finden, alleine, ohne Freundin. Ich ging viel in der Homo-Szene aus, baute mir einen Homo-Freundeskreis auf, hatte Sex mit anderen Frauen. Die Zeit war wichtig für mich das erste Mal als lesbische Singlefrau, aber mittlerweile gehe ich nicht mehr so viel auf Gayparties oder Gay Bars oder eben nur wenn es sich gerade ergibt.

Vor kurzem habe ich wieder eine Frau kennen und lieben gelernt. Für sie ist es das erste Mal mit einer Frau. Diesmal erlebe ich die Erfahrung aus der anderen Perspektive, was das ganze sehr interessant macht. Nun bin ich diejenige mit Erfahrungen und führe jemanden in die Welt des gleichgeschlechtlichen Sex ein. Es ist aufregend.

Heutzutage bin ich stolz auf meine sexuelle Identität und darauf dass ich Frauen liebe. Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, für mich ist es die pure Freiheit, mein Leben endlich auszuleben und mich so zu akzeptieren wie ich bin: Lesbisch.

Veröffentlicht unter Allgemein

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